Altitude

Trailer:

Kritik:

Ich gehöre zu den Horror-Fans, die im Prinzip jedem Film und Horror-Subgenre eine Chance geben, und gehe daher auch immer völlig unvoreingenommen an Horrorfilme heran. Mich kann der zigtausendste Aufguss der Backwood-Thematik mit degenerierten Killern die im Wald hausen, genauso begeistern wie ein Teenie-Slasher, der dem Genre keinerlei neue Impulse bietet, oder ein Hochglanz-Remake eines Horror-Klassikers, solange der Film gut inszeniert, spannend und unterhaltsam ist. Wenn dann jedoch mal ein Film daherkommt, der nach langer Zeit mal wieder eine neue, und vor allem originelle Geschichte erzählt, dann bin ich als Horror-Fan natürlich umso begeisterter, genau wie es bei "Altitude", dem Spielfilm-Debüt des Comic-Autors, -Zeichners und Kurzfilm-Regisseurs Kaare Andrews, der Fall ist.
Dabei ist "Altitude" im Prinzip kein Horrorfilm, sondern eher ein übernatürlicher Mystery-Thriller mit Sci-Fi- und Horror-Anleihen, der über weite Strecken sogar ganz ohne die klassischen Genre-Elemente auskommt, und eher ein dramatisches Kammerspiel in einem kleinen Privatjet darstellt.
In der ersten halben Stunde lernen wir die Charaktere kennen, die Genre-typisch aus ganz verschiedenen, jedoch zum Teil etwas klischeehaften, Individuen bestehen. So gibt es die Sexbombe, das Arschloch, den sensiblen Musiker, den Comic-Nerd und das klassische Final-Girl. Erfreulicherweise sind all diese Charaktere nicht mit irgendwelchen laienhaften Möchtegern-Darstellern besetzt, sondern mit einer sehr talentierten jungen Darsteller-Riege. Jessica Lowndes, Julianna Guill, Ryan Donowho, Landon Liboiron und Jake Weary füllen ihre Rollen erstklassig aus und machen, die zunächst schablonenhaft scheinenden Persönlichkeiten, wirklich zu Menschen aus Fleisch und Blut.
Dies ist umso wichtiger, da "Altitude", wie bereits erwähnt, einen stark kammerspiel-artigen Charakter hat. Hat man bereits am Anfang das Gefühl, dass die Konstellation zwischen den Protagonisten viel Nährboden für Spannungen bietet, so bestätigt sich dies spätestens in dem Augenblick, als der übersinnliche Teil des Films einsetzt. Gefangen in einer dunklen, mysteriösen Wolkenschicht inklusive bedrohlichem Sturm, zeigen die Charaktere zum Teil ihr wahres, nicht immer sympathisches, Gesicht, und sorgen somit für einige wirklich dramatische Situation, die den Zuschauer in einen Strudel der Gefühle reißen.
Die Versuche das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bekommen, und die Spannungen zwischen den Freunden, sorgen dafür, dass "Altitude" keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt, und man als Zuschauer mitfiebert, als säße man selbst in dem Flugzeug. Vor allem die Tatsache, dass "Altitude" den Zuschauer fast bis zum Ende im Dunklen darüber lässt, was da überhaupt vor sich geht, macht den großen Reiz des Films aus. Einige Zuschauer können sich anhand des kurzen Prologs zwar halbwegs vorstellen, was Teil der Auflösung sein wird, des Rätsels vollständige Lösung stellt aber wirklich eine Überraschung dar, und sorgt für ein atemberaubend spannendes Finale.
Zwar können die wenigen Effekte des Films, die hauptsächlich im Finale zu sehen sind, und von denen der Trailer vielleicht schon ein bisschen zu viel preisgibt, nicht immer zu 100% überzeugen, aber für einen Film mit solch einem geringen Budget gibt es trotzdem ein, zwei unglaublich gut gelungene Effekt-Shots, die einen staunen lassen. Davon abgesehen konzentriert sich "Altitude" aber generell viel mehr auf die Charakterentwicklung, und den ein oder anderen sehr gelungenen Twist, was die Effekte absolut zweitrangig erscheinen lässt.
Um noch kurz auf die bereits erwähnten Darsteller einzugehen: Jessica Lowndes ("Autopsy") sieht bezaubernd aus und lässt den Charakter der Sara wie die perfekte Freundin erscheinen, Julianna Guill, die im "Freitag der 13."-Remake vor allem mit nackten Tatsachen glänzen durfte (was ohne Frage sehr schön war), ist als Mel äußerst sympathisch und dürfte in jedem Mann den Beschützerinstinkt wecken, Ryan Donowho ("O.C., California") dürfte durch seine sensible Art bei den Mädels sehr gut ankommen, während Landon Liboiron ("Zombie Punch") und Jake Weary ("Lange Beine, kurze Lügen...") ihre eher unsympathischen Rollen auch perfekt ausfüllen.
"Altitude" ist für mich eine extrem positive Überraschung. Der Film ist erstklassig inszeniert, sehr atmosphärisch, und bietet eine neue, originelle und wirklich verdammt spannende Geschichte mit einer interessanten Charakterkonstellation, viel Dramatik, und einigen überraschenden Wendungen, die den Zuschauer fesseln und dauerhaft bei Laune halten. "Altitude" ist schwer zu beschreiben und lässt sich unmöglich in eine Schublade stecken. Ein bisschen "Stephen Kings Langoliers", ein bisschen "Twilight Zone" und eine Prise "Donnie Darko" machen "Altitude" für mich aber zu einer kleinen Genre-Perle.

9/10